Systemische Aufstellungsarbeit

Oft zeigt sich im therapeutischen Prozess, dass das angesprochene Problem nicht alleine zu betrachten und zu lösen ist, sondern Teil eines gesamten „Systems“ ist.

Als System verstehe ich hier eine Gruppe von Menschen, die in irgendeiner Form zusammengehören, z. B. die Familie mit ihren vielen verschiedenen Personen aus verschiedenen Generationen. Aber auch eine Firma, ein Arbeitsteam, ein Kollegium oder eine Schulklasse sind solche Systeme, die immer auch Einfluss auf die einzelnen Teilnehmer:innen haben.

Systemisches in der therapeutischen Begleitung

Oft hat das individuelle Problem mit der speziellen Rolle in diesem System zu tun. Vielleicht ist der Chef gar nicht der Chef, sondern insgeheim einer der Mitarbeiter. Oder in der Familie übernimmt eines der Kinder die Verantwortung, die eigentlich eines der beiden Elternteile übernehmen müsste. Vielfach ist das nicht bewusst gewählt, sondern geschieht auf einer tieferen Ebene.

In Familien hat das oft zur Folge, dass Konflikte nicht wirklich gelöst werden, da die eigentliche Ursache nicht erkannt wird. Und oft liegen die Ursachen auch weiter zurück in den Generationen – sogenannte transgenerative Traumata.

Familienaufstellungen

Hilfreiche Arbeit mit diesen Themen sind die Familienaufstellungen, in denen Stellvertreter:innen die Positionen der verschiedenen Familienmitglieder für eine Person vertreten und sich in diese Position hineinfühlen, oft mit frappierenden Ergebnissen. Die Leitung liegt in der Hand einer Aufstellerin oder eines Aufstellers, aber alle Beteiligten sind an der Lösung beteiligt, indem sie die gewählte Position vertreten, ohne oft viel über die jeweilige Person zu wissen. Und oft zeigen sich auch heilsame Impulse für die Stellvertreter:innen während oder nach der Aufstellung.

Ein heilsames Abschlussbild entsteht meist nicht schnell, sondern braucht die genaue Betrachtung der verschiedenen Positionen, der Beziehungen untereinander, der Gefühle und Körperreaktionen der Beteiligten, die Verabschiedung von Verstorbenen und vieles mehr.

Systemische Arbeit im Einzelsetting

Im Einzelsetting in meiner Praxis gibt es nicht die Möglichkeit, mit verschiedenen Personen das System, um das es geht, abzubilden. Stattdessen können kleine Figuren und Filzplatten genutzt werden, die für die verschiedenen Anteile oder Personen des Themas stehen.

Auch hier lassen sich systemische Aspekte gut abbilden. Bei der Arbeit mit den Figuren wählt man selbst die Figuren aus, stellt sie in eine Ordnung zueinander, benennt, wofür oder für wen sie stehen, und verändert sie eventuell im Laufe des Prozesses. Meist zeigt sich hierbei etwas, das im Gespräch und im Nachdenken über die Thematik so deutlich nicht gesehen wird.

Die bildhafte Sprache der Figuren und die Möglichkeit, mit ihnen zu „spielen“ und sie selber zu verändern, hat eine große Kraft. Für mich ist es immer wieder besonders, wenn am Ende der Sitzung eine neue Einschätzung oder eine heilsame Sichtweise entsteht.

Für ein solches Setting sollte genügend Zeit eingeplant werden – 1 ½ bis 2 Stunden sind empfehlenswert.